Gestern Mittag gab es in Zug einen Sturm. Nein, natürlich kein lokales Unwetter, das wäre in der gegenwärtigen Hochdrucklage sehr unwahrscheinlich. Allfällige Leser aus Zug und Umgebung wissen natürlich, dass es sich um den jährlichen Chriesisturm handelt.
Der Brauch geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Erstmals im Jahr 1711 wurde im Frühsommer die grosse Glocke der Pfarreikirche St. Michael geläutet. Das galt als Zeichen, dass die Chriesiernte auf der Allmend eröffnet war. Und sofort stürmten die Leute mit langen Leitern zur Allmend, um sich die schönsten Chriesi zu sichern.
Im 19. und 20. Jahrhundert geriet der Brauch dann etwas in Vergessenheit, erst im Jahr 2008 wurde er wieder belebt. Da die Chriesibäume auf der Allmend in der Zwischenzeit Überbauungen gewichen sind findet der Sturm in der Zuger Altstadt statt. Etwa fünf männliche Zweierteams stürmen punkt 12 Uhr - genau dann läutet die Chriesiglocke genannte grosse Glocke - mit 8 Meter langen Leitern durch die Gassen der Stadt und wieder zurück zum Startpunkt. Natürlich geht es darum, als schnellstes Team ins Ziel zu kommen.
Nach dem Zieleinlauf der Männer sind die Frauen an der Reihe. Diese schleppen aber keine Leitern, sondern Chratten auf dem Rücken, mit welchen die geernteten Chriesi nach Hause gebracht werden. Und nach den Frauen sind auch noch Kinder dran, für Nachwuchs ist also gesorgt.
Nach den Stürmen wird auf dem Landsgemeindeplatz ausgiebig gefeiert. Besonders grossen Andrang gabs bei den Chriesiwürsten vom Grill und aufgrund der Hitze bei den Getränkeausgaben. Auch frische Chriesi aus dem Zugerland gabs zu kaufen.



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