Mittwoch, 24. Juni 2026

Winterthur von A bis Z - R wie Rieter

Fast jeder Schweizer und jede Schweizerin - vielleicht ausgenommen die jüngeren Jahrgänge - kennt die Firma Rieter in Winterthur. Sie wurde im Jahr 1795 von Johann Jacob Rieter gegründet und ist damit eine der traditionsreichsten industriellen Betriebe der Schweiz. In den ersten Jahren war es eine Handelsfirma, welche mit Gewürzen, Kaffee, Baumwolle, Zucker und anderem handelte. Ab 1812 betrieb Rieter Spinnereien und ab 1835 stellte sie die Spinnereimaschinen für den Eigengebrauch selbst her. Und schon bald interessierte sich die Textilindustrie aus der ganzen Welt für diese Webmaschinen und Rieter entwickelte sich zu einer weltweit agierenden Firma mit Produktionsstandorten auf der ganzen Welt. Die Maschinen wurden laufend weiterentwickelt, was für hohe Auftragsbestände und steigende Umsätze sorgte. Im Jahr 2007 wurde mit 3.9 Milliarden Franken der Umsatzrekord geschrieben.

Hauptsitz der Rieter in Winterthur

Seit dem Rekord ging es praktisch nur noch bergab. Die Finanz- und Wirtschaftskrisen, der starke Franken, zyklische Nachfragerückgänge, die Abspaltung der Autosparte und besonders Corona hatten dramatische Einflüsse auf den Auftragseingang. Im Corona-Jahr 2020 sank der Umsatz auf gerade einmal 573 Millionen Franken. In den drei folgenden Jahren stieg der Umsatz aufgrund von Nachhol-Aufträgen wieder an, das war aber eher ein Strohfeuer. 2025 betrug der Umsatz noch 685 Millionen.

weltweite Rieter-Standorte

XXL-Spinnmaschine

Parallel zu den Umsatzzahlen entwickelte sich der Personalbestand. Ende des letzten Jahrhunderts beschäftigte Rieter noch über 13'000 Mitarbeiter, Ende 2025 waren es nur noch 4'220.

der Aktienkurs der Rieter ist im Kriechgang

Und natürlich litt auch die Rieter-Aktie an den sinkenden Umsätzen. Im Jahr 2007 wurde mit 56.75 Franken der Höchststand erreicht, gegenwärtig liegt der Kurs bei etwa 3 Franken.

Dienstag, 23. Juni 2026

Zuger Chriesisturm

Gestern Mittag gab es in Zug einen Sturm. Nein, natürlich kein lokales Unwetter, das wäre in der gegenwärtigen Hochdrucklage sehr unwahrscheinlich. Allfällige Leser aus Zug und Umgebung wissen natürlich, dass es sich um den jährlichen Chriesisturm handelt.


die Zuschauer drängen sich in der Altstadt

die Leitern liegen bereit

Der Brauch geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Erstmals im Jahr 1711 wurde im Frühsommer die grosse Glocke der Pfarreikirche St. Michael geläutet. Das galt als Zeichen, dass die Chriesiernte auf der Allmend eröffnet war. Und sofort stürmten die Leute mit langen Leitern zur Allmend, um sich die schönsten Chriesi zu sichern.

zuerst die Männer mit Leitern,

dann die Frauen mit Chratten

Im 19. und 20. Jahrhundert geriet der Brauch dann etwas in Vergessenheit, erst im Jahr 2008 wurde er wieder belebt. Da die Chriesibäume auf der Allmend in der Zwischenzeit Überbauungen gewichen sind findet der Sturm in der Zuger Altstadt statt. Etwa fünf männliche Zweierteams stürmen punkt 12 Uhr - genau dann läutet die Chriesiglocke genannte grosse Glocke - mit 8 Meter langen Leitern durch die Gassen der Stadt und wieder zurück zum Startpunkt. Natürlich geht es darum, als schnellstes Team ins Ziel zu kommen.

Nach dem Zieleinlauf der Männer sind die Frauen an der Reihe. Diese schleppen aber keine Leitern, sondern Chratten auf dem Rücken, mit welchen die geernteten Chriesi nach Hause gebracht werden. Und nach den Frauen sind auch noch Kinder dran, für Nachwuchs ist also gesorgt.

Nach den Stürmen wird auf dem Landsgemeindeplatz ausgiebig gefeiert. Besonders grossen Andrang gabs bei den Chriesiwürsten vom Grill und aufgrund der Hitze bei den Getränkeausgaben. Auch frische Chriesi aus dem Zugerland gabs zu kaufen.

Montag, 22. Juni 2026

Villa Arbenz von innen

Kürzlich berichtete ich hier von der Villa Arbenz, einer militärischen Kommandozentrale zwischen Hünikon und Dorf. Von aussen würde man nicht vermuten, dass sich hinter dem an einen Geräteschuppen erinnernden Gebäude eine weitverzweigte Anlage versteckt. Am Samstag war sie für die Öffentlichkeit zugänglich, dies im Rahmen einer Dorfet in Dorf :-)

Villa Arbenz von aussen

Für einen Unkostenbeitrag von 10 Franken pro Person öffnete sich die Schleuse zum Bunker. Und schon nach wenigen Metern erlebten wir einen Temperaturschock, denn in der Anlage herrscht eine Temperatur von 12°, 20° weniger als draussen. Aber wir waren froh um die willkommene Abkühlung.

Das Maschinengewehr diente zur Verteidigung des Eingangs

im 270 m langen Stollen

Zuerst geht es durch einen 270 Meter langen Stollen, welcher nicht schnurgerade ist, sondern an drei Stellen abgewinkelt ist. Vermutlich hatte das den Zweck, die Anlage bei einem allfälligen Angriff besser verteidigen zu können.

die Villa Arbenz war dank Stromgeneratoren autark

Schlafzimmer des Kommandanten

Hinter dem Stollen befindet sich dann die frühere Kommandozentrale der Grenzbrigade 6, welche für die Verteidigung von Teilen der Kantone Zürich und Thurgau sowie Schaffhausen zuständig war. Die Zentrale besteht aus einer Vielzahl von Räumen. Einerseits aus dem Kommandoraum, dann hat es aber alles, was für einen mehrwöchigen Aufenthalt notwendig ist. Büros, Übermittlungsräume, Schlafräume, Toiletten, Lagerräume, Küche, Essräume und noch einiges mehr.

Offiziers-Messe

Die heutige Anlage ist eigentlich ein Militärmuseum, überall hat es Waffen, Karten, Telefone, Übermittlungsgeräte, Kücheneinrichtungen und sogar einen schön gedeckten Esstisch im Essraum für die Offiziere. Nicht alles gehörte aber zur Original-Einrichtung der Kommandozentrale, vieles stammt aus diversen Sammlungen. So zum Beispiel die ausgestellten Raketen, denn die Anlage hatte keine Raketenwerfer. Die einzigen Waffen waren Gewehre und Pistolen zur Selbstverteidigung.

Normalerweise ist die Villa Arbenz nur im Rahmen von Gruppenführungen zugänglich. Wer sich dafür interessiert findet hier weitere Informationen.

Sonntag, 21. Juni 2026

Noch mehr Zeppelin

Hier noch ein paar technische Details zu den drei deutschen Zeppelinen:

  • Der Rumpf hat eine Länge von 75 Metern und einen Durchmesser von 14 Metern
  • Die Hülle hat ein Volumen von 8'425 m3 und ist mit unbrennbarem Helium gefüllt
  • Das Volumen der Kabine beträgt nur 29 m3, damit hätte sie 290 Mal in der Hülle Platz
  • Der Zeppelin wird von drei schwenkbaren Triebwerken (zwei auf den Seiten und eines am Heck) angetrieben, mit welchen senkrechte An- und Abflüge möglich sind
  • Das maximale Startgewicht beträgt 8'050 kg
  • Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 125 kmh, die Reichweite bei 1'000 km und die maximale Flughöhe auf 3'000 m
jeder Passagier erhält nach dem Flug eine Urkunde

Die meisten Flüge starten und landen in Friedrichshafen, vereinzelt gibt es aber auch welche ab Essen, Oberschleissheim bei München, Bonn und Bad Homburg. Die Liste der Flüge kann man hier anschauen. Die Zeppeline fliegen nur bei günstiger Witterung. Bei Gewitterrisiko oder starken Winden können Flüge kurzfristig abgesagt werden. Das war bei uns der Fall, unser auf letzten Sonntag gebuchter Flug wurde aufgrund von zu starken Windprognosen abgesagt. Zum Glück noch rechtzeitig bevor wir am Samstag nach Friedrichshafen aufbrechen wollten. Wir konnten dann problemlos auf den Donnerstag umbuchen.

Und hier noch ein Bild von Lindau mit dem Zeppelin-Schatten und ein eindrückliches Video vom Start unseres Zeppelins über unsere Köpfe mit den nächsten Passagieren:







Samstag, 20. Juni 2026

Unser Zeppelin

Drei Zeppelin-Luftschiffe sind in Deutschland registriert, diese fliegen normalerweise ab Friedrichshafen, wo ja der Zeppelin im Jahr 1900 den Erstflug absolvierte. Drei weitere Zeppeline fliegen in den USA für das Reifen-Unternehmen Goodyear. Diese fliegen aber ohne Passagiere, sondern nur zu Werbezwecken. Zwischen den deutschen und den amerikanischen Zeppelinen gibt es einen entscheidenden Unterschied: Die Deutschen haben ein starres Innengerüst, welches das Luftschiff stabil und manövrierfähig macht, die amerikanischen bestehen nur aus der Hülle.

"Unser" Zeppelin war am Donnerstag derjenige mit der Aufschrift "ZF Next Generation Mobility" und dem Kennzeichen D-LZNT. Die beiden anderen haben eine Werbebemalung, der eine für den Europapark Rust und der andere für Goodyear.

unsere Flugroute

In der im Vergleich zur Grösse unseres Zeppelins kleine Kabine ist mit zwei Pilotensitzen im Cockpit und 12 Passagiersitzen ausgestattet und auch eine Toilette steht zur Verfügung. Durch die riesigen Fenster hat man fast immer einen Rundumblick. Auch nach vorne, denn das Cockpit ist offen, es hat keine Tür. Zwei der Fenster verfügen über eine Klappe, welche geöffnet werden kann, um spiegelungsfreie Bilder zu schiessen.

Schon beim Erreichen der Flughöhe auf rund 300 Metern über Grund darf man sich abschnallen und frei in der Kabine bewegen, was wir ausgiebig machten. Geflogen wird der Zeppelin von zwei Piloten, wobei der Copilot die meiste Zeit damit beschäftigt war, den Passagieren alles Interessante am Boden zu erklären. Nur für Start und Landung war er auf seinem Sitz.

Mündung des Neuen Rheins

Das Flugerlebnis im Zeppelin unterscheidet sich fundamental von Flugzeugen oder auch Helikoptern. Einerseits aufgrund der geringen Flughöhe, welche es erlaubt, auch Details am Boden zu erkennen. Und andererseits aufgrund der tiefen Geräuschkulisse. Die Motoren hört man zwar, es ist aber eher ein Surren als ein dröhnender Lärm. Es fühlt sich fast wie in einem grossen Segelflugzeug an. Mit etwa 80 kmh ist die Geschwindigkeit recht gemütlich.

Freitag, 19. Juni 2026

Bodensee von oben

Gestern gab es für uns eine aviatische Première: einen Flug mit dem Zeppelin. In zwei Stunden von Friedrichshafen eine Runde entlang dem Bodenseeufer und zurück nach Friedrichshafen. Ein wunderschönes Flugerlebnis war das bei perfektem Flugwetter. Da der Zeppelin nur etwa 300 Meter über Boden fliegt war die Sicht über den See und auf die Dörfer eindrücklich. Nur die Fernsicht war etwas eingeschränkt.


unser Zeppelin im Anflug

bereit zum Einsteigen

Friedrichshafen

Begegnung mit einem Schwesterzeppelin

Lindau voraus

Lindau

alter Rhein

Romanshorn

Konstanz

Mainau

Fürs erste hier ein paar Bilder, ich werde über das Flugerlebnis hier noch etwas ausführlicher berichten.

Donnerstag, 18. Juni 2026

Hallo Grandis

Gestern Morgen konnte ich mein neues Auto in der Grüze-Garage Winterthur abholen. Dabei handelt es sich um einen Mitsubishi Grandis mit einem Hybrid-Antrieb. Der Motor läuft entweder elektrisch oder mit Benzin, das Auto wählt die Antriebsart automatisch abhängig von Gelände, Geschwindigkeit und Ladestand der Batterien. Es ist aber kein Plugin-Hybrid, welcher an einer Ladestation mithilfe eines Kabels aufgeladen werden muss. Mit dem Grandis muss ich nur Benzin tanken, die Batterien werden im laufenden Betrieb automatisch aufgeladen. Der Benzinverbrauch ist ziemlich tief, der Hersteller gibt 4.7 Liter pro 100 km an.

Der Verkäufer der Grüze-Garage erklärte mir die wichtigsten Bedienungs-Elemente wie den Schalthebel, welcher etwas anders funktioniert wie bei allen Autos, welche ich bisher fuhr. Oder die Bedienung des Tempomaten, welchen ich wahrscheinlich nie verwenden werde, da der Verkehr in der Schweiz zu dicht ist, um ihn sinnvoll einsetzen zu können. Ganz neu für mich ist der Bordcomputer mit diversen Apps zum Radiohören oder für die Navigation. Der Computer mit seinem grossen Bildschirm kann auch mit dem Handy gekoppelt werden. Das muss ich mir dann alles noch etwas genauer ansehen.


Im Vergleich mit dem 25 Jahre alten RAV4 ist der Grandis vollgepackt mit Technik, welche ich auf der kurzen Fahrt nach Seuzach nur sehr oberflächlich erlebte. Aber jedenfalls fühlte sich die Fahrt verglichen mit dem RAV4 wie ein Quantensprung an.