Sonntag, 28. Juni 2026

Neue Säntis-Seile

Am Säntis wird ja gegenwärtig am Projekt Säntis 2026 gearbeitet. Es gibt zwei neue Kabinen, welche in etwa die gleiche Kapazität haben wie bisher, denn an der Struktur der Tal- und Bergstation wird nichts geändert. Die neuen Kabinen werden aber auf neuen Seilen unterwegs sein. Der erste Teil der neuen Seile wird am kommenden Mittwoch, 1. Juli auf der Schwägalp angeliefert. Dabei handelt es sich um zwei von vier Tragseilen sowie das Zugseil, die drei Seile haben ein Gesamtgewicht von 145 Tonnen. Die beiden anderen Tragseile werden später geliefert, diese wiegen nochmals 100 Tonnen. Insgesamt werden also 245 Tonnen Seile gespannt. Da die neuen Seile mehr als 100 Tonnen schwerer sind als die alten müssen die Verankerungen in den Stationen verstärkt werden.

die alten Kabinen werden abtransportiert...

Hergestellt werden resp. wurden die Seile in der Schweiz bei der Firma Fatzer in Romanshorn. Sie ist Weltmarktführerin bei der Herstellung von Hochleistungsstahlseilen, welche nicht nur für Luftseilbahnen, sondern zum Beispiel auch für Brücken, Stadien oder Standseilbahnen eingesetzt werden. Noch ein interessantes Detail: in den neuen Tragseilen sind Glasfaserkabel für die Kommunikation zwischen Berg und Tal integriert. Mehr zu den neuen Seilen kann man hier nachlesen.

...und so sehen die neuen aus

Am Mittwoch war ich ja auf der Schwägalp und habe die abgespannten alten Tragseile gesehen. Diese werden noch einmal gebraucht, nämlich um die neuen Seile auf den Berg hochzuziehen. Das wäre dann sicher noch interessant und wenn ich es einrichten kann werde ich nochmals auf die Schwägalp fahren wenn es soweit ist.

Samstag, 27. Juni 2026

GV SSE

Für die gestrige Teilnahme an der GV der SSE, Société Suisse des Explosifs, war eine lange Reise in die Walliser Hauptstadt Sion angesagt. Ich überlegte es mir mehrmals, ob ich bei dieser Hitze überhaupt hinfahren sollte, die Reise in den meist angenehm klimatisierten Zügen war aber kein Problem und auch der Versammlungsort war klimatisiert. Zuhause hätte ich mehr geschwitzt.

VR-Präsident Loretan hält seine Ansprache

Die SSE lädt die Aktionäre jedes Jahr an einen anderen Ort ein. Dieses Jahr in den Saal "Noda BCVS", das ist eine neue, zur Walliser Kantonalbank gehörende Mehrzweckhalle in einem neu überbauten Areal gleich neben dem Bahnhof. Auf dem Areal hat es Wohnblöcke und eine bunte Mischung von Geschäften aller Art.

die Bar mit dem raffinierten Deckenspiegel

Risotto wird geschöpft

VR-Präsident Loretan durfte über ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr 2025 berichten. Sowohl der Bereich Sprengstoff als auch der Chemie-Bereich erwirtschafteten zunehmende Umsätze und auch Gewinne, was den VR dazu bewog, die Dividende zu erhöhen.

im neu überbauten Areal

Die 90 anwesenden Aktionäre waren anschliessend zum Apéro eingeladen. Gegenüber anderen Jahren fiel dieser allerdings etwas dürftig aus, deshalb nahm ich einen früheren Zug nach Hause als ursprünglich geplant. 

Donnerstag, 25. Juni 2026

Beim Säntis

Gestern war ich beim Säntis, auf der Schwägalp. Auf dem Säntis-Gipfel wäre es bei der gegenwärtigen Hitze sicher etwas angenehmer gewesen, aber auf den Säntis kommt man bis im Spätherbst nur zu Fuss, denn die Seilbahn wird umgebaut. Die Stütze 1, welche vor ein paar Jahren durch einen Lawinenniedergang beschädigt wurde, ist schon abgebaut, die Bahn wird künftig nur noch eine Stütze haben. Und es wird auch neue Kabinen geben.

ein ungewohntes Bild, die Talstation ohne Kabine und Seile

links das Festzelt für die GV

Morgen Freitag findet die GV der Säntisbahn in einem Festzelt auf der Schwägalp statt. Dort werde ich aber nicht teilnehmen, aber das GV-Essen in Form von Schinken mit Kartoffelsalat und Bürli wollte ich mir nicht entgehen lassen. Die Aktionäre können dieses von Montag bis Freitag einlösen.

Mittwoch, 24. Juni 2026

Winterthur von A bis Z - R wie Rieter

Fast jeder Schweizer und jede Schweizerin - vielleicht ausgenommen die jüngeren Jahrgänge - kennt die Firma Rieter in Winterthur. Sie wurde im Jahr 1795 von Johann Jacob Rieter gegründet und ist damit eine der traditionsreichsten industriellen Betriebe der Schweiz. In den ersten Jahren war es eine Handelsfirma, welche mit Gewürzen, Kaffee, Baumwolle, Zucker und anderem handelte. Ab 1812 betrieb Rieter Spinnereien und ab 1835 stellte sie die Spinnereimaschinen für den Eigengebrauch selbst her. Und schon bald interessierte sich die Textilindustrie aus der ganzen Welt für diese Webmaschinen und Rieter entwickelte sich zu einer weltweit agierenden Firma mit Produktionsstandorten auf der ganzen Welt. Die Maschinen wurden laufend weiterentwickelt, was für hohe Auftragsbestände und steigende Umsätze sorgte. Im Jahr 2007 wurde mit 3.9 Milliarden Franken der Umsatzrekord geschrieben.

Hauptsitz der Rieter in Winterthur

Seit dem Rekord ging es praktisch nur noch bergab. Die Finanz- und Wirtschaftskrisen, der starke Franken, zyklische Nachfragerückgänge, die Abspaltung der Autosparte und besonders Corona hatten dramatische Einflüsse auf den Auftragseingang. Im Corona-Jahr 2020 sank der Umsatz auf gerade einmal 573 Millionen Franken. In den drei folgenden Jahren stieg der Umsatz aufgrund von Nachhol-Aufträgen wieder an, das war aber eher ein Strohfeuer. 2025 betrug der Umsatz noch 685 Millionen.

weltweite Rieter-Standorte

XXL-Spinnmaschine

Parallel zu den Umsatzzahlen entwickelte sich der Personalbestand. Ende des letzten Jahrhunderts beschäftigte Rieter noch über 13'000 Mitarbeiter, Ende 2025 waren es nur noch 4'220.

der Aktienkurs der Rieter ist im Kriechgang

Und natürlich litt auch die Rieter-Aktie an den sinkenden Umsätzen. Im Jahr 2007 wurde mit 56.75 Franken der Höchststand erreicht, gegenwärtig liegt der Kurs bei etwa 3 Franken.

Dienstag, 23. Juni 2026

Zuger Chriesisturm

Gestern Mittag gab es in Zug einen Sturm. Nein, natürlich kein lokales Unwetter, das wäre in der gegenwärtigen Hochdrucklage sehr unwahrscheinlich. Allfällige Leser aus Zug und Umgebung wissen natürlich, dass es sich um den jährlichen Chriesisturm handelt.


die Zuschauer drängen sich in der Altstadt

die Leitern liegen bereit

Der Brauch geht auf das 18. Jahrhundert zurück. Erstmals im Jahr 1711 wurde im Frühsommer die grosse Glocke der Pfarreikirche St. Michael geläutet. Das galt als Zeichen, dass die Chriesiernte auf der Allmend eröffnet war. Und sofort stürmten die Leute mit langen Leitern zur Allmend, um sich die schönsten Chriesi zu sichern.

zuerst die Männer mit Leitern,

dann die Frauen mit Chratten

Im 19. und 20. Jahrhundert geriet der Brauch dann etwas in Vergessenheit, erst im Jahr 2008 wurde er wieder belebt. Da die Chriesibäume auf der Allmend in der Zwischenzeit Überbauungen gewichen sind findet der Sturm in der Zuger Altstadt statt. Etwa fünf männliche Zweierteams stürmen punkt 12 Uhr - genau dann läutet die Chriesiglocke genannte grosse Glocke - mit 8 Meter langen Leitern durch die Gassen der Stadt und wieder zurück zum Startpunkt. Natürlich geht es darum, als schnellstes Team ins Ziel zu kommen.

Nach dem Zieleinlauf der Männer sind die Frauen an der Reihe. Diese schleppen aber keine Leitern, sondern Chratten auf dem Rücken, mit welchen die geernteten Chriesi nach Hause gebracht werden. Und nach den Frauen sind auch noch Kinder dran, für Nachwuchs ist also gesorgt.

Nach den Stürmen wird auf dem Landsgemeindeplatz ausgiebig gefeiert. Besonders grossen Andrang gabs bei den Chriesiwürsten vom Grill und aufgrund der Hitze bei den Getränkeausgaben. Auch frische Chriesi aus dem Zugerland gabs zu kaufen.

Montag, 22. Juni 2026

Villa Arbenz von innen

Kürzlich berichtete ich hier von der Villa Arbenz, einer militärischen Kommandozentrale zwischen Hünikon und Dorf. Von aussen würde man nicht vermuten, dass sich hinter dem an einen Geräteschuppen erinnernden Gebäude eine weitverzweigte Anlage versteckt. Am Samstag war sie für die Öffentlichkeit zugänglich, dies im Rahmen einer Dorfet in Dorf :-)

Villa Arbenz von aussen

Für einen Unkostenbeitrag von 10 Franken pro Person öffnete sich die Schleuse zum Bunker. Und schon nach wenigen Metern erlebten wir einen Temperaturschock, denn in der Anlage herrscht eine Temperatur von 12°, 20° weniger als draussen. Aber wir waren froh um die willkommene Abkühlung.

Das Maschinengewehr diente zur Verteidigung des Eingangs

im 270 m langen Stollen

Zuerst geht es durch einen 270 Meter langen Stollen, welcher nicht schnurgerade ist, sondern an drei Stellen abgewinkelt ist. Vermutlich hatte das den Zweck, die Anlage bei einem allfälligen Angriff besser verteidigen zu können.

die Villa Arbenz war dank Stromgeneratoren autark

Schlafzimmer des Kommandanten

Hinter dem Stollen befindet sich dann die frühere Kommandozentrale der Grenzbrigade 6, welche für die Verteidigung von Teilen der Kantone Zürich und Thurgau sowie Schaffhausen zuständig war. Die Zentrale besteht aus einer Vielzahl von Räumen. Einerseits aus dem Kommandoraum, dann hat es aber alles, was für einen mehrwöchigen Aufenthalt notwendig ist. Büros, Übermittlungsräume, Schlafräume, Toiletten, Lagerräume, Küche, Essräume und noch einiges mehr.

Offiziers-Messe

Die heutige Anlage ist eigentlich ein Militärmuseum, überall hat es Waffen, Karten, Telefone, Übermittlungsgeräte, Kücheneinrichtungen und sogar einen schön gedeckten Esstisch im Essraum für die Offiziere. Nicht alles gehörte aber zur Original-Einrichtung der Kommandozentrale, vieles stammt aus diversen Sammlungen. So zum Beispiel die ausgestellten Raketen, denn die Anlage hatte keine Raketenwerfer. Die einzigen Waffen waren Gewehre und Pistolen zur Selbstverteidigung.

Normalerweise ist die Villa Arbenz nur im Rahmen von Gruppenführungen zugänglich. Wer sich dafür interessiert findet hier weitere Informationen.

Sonntag, 21. Juni 2026

Noch mehr Zeppelin

Hier noch ein paar technische Details zu den drei deutschen Zeppelinen:

  • Der Rumpf hat eine Länge von 75 Metern und einen Durchmesser von 14 Metern
  • Die Hülle hat ein Volumen von 8'425 m3 und ist mit unbrennbarem Helium gefüllt
  • Das Volumen der Kabine beträgt nur 29 m3, damit hätte sie 290 Mal in der Hülle Platz
  • Der Zeppelin wird von drei schwenkbaren Triebwerken (zwei auf den Seiten und eines am Heck) angetrieben, mit welchen senkrechte An- und Abflüge möglich sind
  • Das maximale Startgewicht beträgt 8'050 kg
  • Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 125 kmh, die Reichweite bei 1'000 km und die maximale Flughöhe auf 3'000 m
jeder Passagier erhält nach dem Flug eine Urkunde

Die meisten Flüge starten und landen in Friedrichshafen, vereinzelt gibt es aber auch welche ab Essen, Oberschleissheim bei München, Bonn und Bad Homburg. Die Liste der Flüge kann man hier anschauen. Die Zeppeline fliegen nur bei günstiger Witterung. Bei Gewitterrisiko oder starken Winden können Flüge kurzfristig abgesagt werden. Das war bei uns der Fall, unser auf letzten Sonntag gebuchter Flug wurde aufgrund von zu starken Windprognosen abgesagt. Zum Glück noch rechtzeitig bevor wir am Samstag nach Friedrichshafen aufbrechen wollten. Wir konnten dann problemlos auf den Donnerstag umbuchen.

Und hier noch ein Bild von Lindau mit dem Zeppelin-Schatten und ein eindrückliches Video vom Start unseres Zeppelins über unsere Köpfe mit den nächsten Passagieren: