Montag, 14. Juli 2025

Ein Landjäger als Grossvater

Wenn man heutzutage das Wort "Landjäger" ausspricht meint man die allseits bekannte Wurst mit dem viereckigen Profil. Früher gehörten diese Würste standardmässig in jeden Schulreise-Rucksack, zusammen mit einem Stück Brot. Ob das heute immer noch der Fall ist kann ich nicht beurteilen.

In früheren Jahren oder eher Jahrzehnten hatte das Wort aber noch eine andere Bedeutung, es war nämlich ein Beruf. Was heute ein Polizist ist war damals ein Landjäger. So wie zum Beispiel mein Grossvater mütterlicherseits. Dokumentiert ist das Schwarz auf Weiss in seinem Familienbüchlein, welches ich bei der Räumung meines Elternhauses gefunden habe. Neben den Namen des Ehemannes und der Ehefrau steht beim Ehemann auch sein Beruf. Bei der Ehefrau aber nicht, es wurde wahrscheinlich angenommen, dass diese keinen Beruf haben.

Seit wann die Würste als Landjäger bezeichnet werden entzieht sich meiner Kenntnis. Ich könnte mir vorstellen, dass mein Grossvater in seinem Berufsstolz verletzt gewesen sein könnte, falls die Würste damals schon so hiessen.

Übrigens, die Würste heissen auf Französisch interessanterweise "Gendarmes", was ja auch Polizisten sind.

Sonntag, 13. Juli 2025

Tomahawk

Immer wieder staune ich beim Einkaufen in Metzgereien über die dicken Rindsteaks mit den ausladenden Knochen, manche Exemplare bringen wahrscheinlich ein Kilo oder mehr auf die Waage. Am Freitag wollten wir so ein Ding - Tomahawk genannt - zum Znacht geniessen, bei dem schönen Wetter natürlich vom Grill.

Etwa 20 Minuten liess ich das ca. 700 g (mit Knochen) schwere Steak brutzeln, dann hatte es noch einen leicht roten Kern, was für uns perfekt war. Zum Aufschneiden reichte normales Besteck aber nicht, dafür brauchte es etwas grössere Kaliber.

Geschmacklich war das von Coop stammende Natura Beef sehr gut, insbesondere der mit etwas Fett durchzogene Rand. Und beim Genuss fühlten wir uns angesichts des riesigen Knochens fast ein wenig wie Neandertaler oder Wikinger beim Verspeisen eines Beutetieres.

Übrigens, der Name Tomahawk geht zurück auf ein von der indigenen Bevölkerung Nordamerikas verwendeten Beils. Übertragen auf das Steak wäre der Knochen der Griff und das Fleisch die Klinge.

Samstag, 12. Juli 2025

150 Jahre Cavaione

Soeben habe ich in der NZZ einen interessanten Artikel gelesen. Dabei geht es um das Dorf Cavaione im südlichen Puschlav nahe der italienischen Grenze.

Vor 150 Jahren wurde das Dorf eingeschweizert, und zwar als letztes Dorf überhaupt. Bis 1797 gehörte Cavaione zu den Drei Bünden, aus welchen später der Kanton Graubünden entstand. Nach dem Zusammenbruch der Bündner Herrschaft ging das Dorf quasi vergessen und es gehörte weder zur Schweiz noch zu Italien. Die über 100 Einwohner waren sozusagen staatenlos, was durchaus auch Vorteile hatte. Sie mussten keine Steuern bezahlen und auch keinen Militärdienst leisten. Der neutrale Status ermöglichte zudem einen regen beidseitigen Schmuggel zwischen der Schweiz und Italien.

Cavaione

1875 war Schluss mit der Staatenlosigkeit, das Dorf wurde der Gemeinde Brusio zugeschlagen und die Einwohner erhielten das Schweizer Bürgerrecht. Danach wurde eine Strasse gebaut, was allerdings dazu führte, dass sich das Dorf nach und nach entvölkerte. Heute leben nur noch 8 Personen in Cavaione. Eine Stiftung versucht nun mithilfe von Freiwilligen, das Dorf wieder zu beleben und den Verfall der Gebäude aufzuhalten. Die Bedienung des Dorfes durch ein Postauto könnte dabei helfen.

Freitag, 11. Juli 2025

Wanderung Konstanz - Litzelstetten

Datum: 09. Juli 2025
Dauer:
 4h05
Länge: 15.9 km
Wetter: leicht bewölkt
Route: Konstanz-Petershausen-Staad-Egg-Insel Mainau-Litzelstetten
Charakteristik: leichte Wanderwege


Konstanzer Hafen mit Zeppelin

Blick über den Kieselstrand nach Konstanz

selten zu sehen: eine Artischocke

das Restaurant Seelig gehört zum Thermalbad

Urmodell eines Wasserspenders

Ganze zwei Monate musste meine Wanderstatistik auf den nächsten Eintrag warten, so lange wie noch nie seit meiner Pensionierung. Am Mittwoch waren aber moderate Temperaturen um die 21° und trockenes Wetter angesagt, ideales Wanderwetter also.

Um das Comeback nicht zu anstrengend zu gestalten wählten wir eine weitere Etappe auf unserer Bodensee-Umrundung aus mit keinen nennenswerten An- oder Abstiegen. Dieses Mal wollten wir am westlichen Teil des Sees weiterfahren mit Start in Konstanz.

Vom Bahnhof Konstanz geht es gleich los Richtung Norden über die Seerhein-Brücke und gleich nach der Brücke in östlicher Richtung auf dem Uferweg. Es geht vorbei an edlen Restaurants und Villen, dem grossen und futuristisch anmutenden Thermalbad, dem Casino und durch ein riesiges Schwimmbad-Areal, wo aufgrund der gegenüber letzter Woche tiefen Temperatur kaum jemand zugegen war.

Dann macht das Gelände einen 90°-Knick nach Norden, hier beginnt der Zipfel des Überlingersees. Nach einer halben Stunde erreichen wir Staad, wo die Autofähre nach Meersburg fährt und nach einer weiteren halben Stunde Egg gleich unterhalb der Konstanzer Universität.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Eingang zur Insel Mainau. Dieser kündigt sich mit riesigen Parkplätzen auf der linken Seite an. Wir staunen darüber, dass es fast keine freien Plätze mehr hat und stellen uns auf einen grossen Besucheransturm ein. Bei der Kasse hat es aber nur wenig Leute und wir können ohne Anstehen auf die Insel.

Für Familien mit Kindern gibt es auf der Insel sehr viel zu Entdecken und auch für das leibliche Wohl ist gesorgt. Ein Besuch kann sich über einen ganzen Tag erstrecken. Unser Rundgang dauerte aber nur eineinhalb Stunden und wir haben dabei eine unglaublich vielfältige Vegetation erlebt.

Nach der Mainau hängen wir noch eine halbe Wanderstunde an, um in Litzelstetten den Bus zurück nach Konstanz zu nehmen.

Donnerstag, 10. Juli 2025

Ab auf die Insel

Nein, nach unseren Ferien auf den Seychellen waren wir gestern nicht schon wieder auf irgendeiner Insel im Indischen Ozean, es gibt auch Inseln, für deren Besuch keine lange Flugreise notwendig ist. Zum Beispiel die Insel Mainau im Bodensee, welche wir wandernd erreichten.

Die auch Blumeninsel genannte Insel ist im ganzen Bodensee-Raum sehr bekannt und sie wird an schönen Tagen wie gestern von Besuchern richtiggehend überschwemmt. Die Anreise ist einfach, entweder per Auto, mit dem Schiff, dem Fahrrad oder wie wir zu Fuss. Und zu sehen gibt es einiges, Bäume, Blumen oder Sträuche in allen Arten, ein Schloss, Spielplätze für die Kinder, ein Schmetterlings- und ein Tropenhaus usw. Und alles ist perfekt gepflegt und auf den vielen Wegen verteilen sich die Besucher gut.

Kakteengarten

Schloss Mainau

der Bodensee als Blumen-Arrangement

Wassertreppe

blumiger Pfau...

...und Enten

Hier und heute ein paar Impressionen von der Insel, der Wanderbericht folgt morgen.

Mittwoch, 9. Juli 2025

Steinreiche Schweiz

In der letztwöchigen Ausgabe der Schweizer Familie hatte es einen grossen Bericht mit dem Thema "Steinreiche Schweiz". Dass es in der Schweiz viele Steine hat ist ja allseits bekannt, aber dass es in unserem kleinen Land eine derart grosse Vielfalt an Steinen gibt, hat selbst mich überrascht. Und dies, obwohl ich ja auf meinen vielen Wanderungen auch immer wieder über die vielen Steinsorten staunte.

Am Rand des Artikels hatte es noch einen Hinweis auf eine Ausstellung im Naturmuseum Frauenfeld mit dem Titel "Kleiner Kiesel ganz gross". Das wollte ich mir gestern anschauen, ein Museumsbesuch bot sich bei dem Regenwetter geradezu an.

Im Ausstellungsraum steht eine Reihe von Boxen in der Form von übergrossen Kieselsteinen, in welchen alles Wissenswerte über die Kiesel gezeigt und erklärt wird. So zum Beispiel die Herkunft, das Alter, die Beschaffenheit oder wie der Kiesel für den Menschen genutzt wird.

Interessant fand ich vor allem, aus was für verschiedenem Material Kieselsteine bestehen können und wie unterschiedlich sie aussehen. Manche enthalten Fossilien, andere Mineralien und viele haben eine interessante Struktur mit Adern oder Poren. Bei meinem nächsten Spaziergang an einem Fluss oder Bach werde ich mir die Kiesel wieder einmal etwas genauer anschauen.

Dienstag, 8. Juli 2025

Ein Seuzacher auf grosser Fahrt

Kürzlich wurde in den Medien von einem Schweizer 4er Team berichtet, welches das härteste Ruderrennen der Welt, den "Pacific Challenge", gewonnen habe. Und dies mit einer deutlich verbesserten Rekordzeit. Und weil eines der Teammitglieder aus Seuzach stammt, interessierte ich mich speziell dafür.

Das Rennen führt vom kalifornischen Monterey über 4'444 Kilometer zur hawaiianischen Insel Kauai. Gerudert wird Tag und Nacht, während zwei aus dem Team rudern erholen sich die anderen. Dafür steht eine kleine, geschlossene Kammer zur Verfügung. Die Verpflegung besteht aus Astronautennahrung, das Wasser wird aus Meerwasser aufbereitet. Das Schweizer Team traf 25 Tage nach dem Start am Ziel ein, vier Tage schneller als der bisherige Rekord. Auf der Fahrt mussten sie einige heftige Stürme überstehen. Und sie waren immer allein, Begleitboote sind nicht erlaubt.


links Jan Hurni aus Seuzach

Für mich stellt dieses Rennen alle anderen sportlichen Herausforderungen in den Schatten welche ich kenne. Es ist unglaublich, welchen Strapazen und Gefahren die Teams ausgesetzt waren.