Als ich gestern in Winterthur auf meinen Zug nach Seuzach wartete fuhr auf dem Nebengleis ein Güterzug in Richtung Frauenfeld durch, er war ziemlich lang, ich schätze etwa 20 bis 30 Wagen, alle randvoll gefüllt mit Zuckerrüben. Und er fuhr recht schnell, deshalb war es für mich der Zuckerrüben-Express.
In den Medien wurde Ende letzten Jahres berichtet, dass in der Zuckerfabrik Frauenfeld ein für die Zuckerproduktion wichtiger Ofen nicht mehr funktioniere und dass eine Reparatur desselben nicht machbar sei. Und dies im Spätherbst, wenn die Fabrik normalerweise auf Hochtouren läuft. Das hatte natürlich grosse Auswirkungen auf die Landwirte, welche Zuckerrüben anbauen. Ein Teil der in der Ostschweiz produzierten Rüben konnte in die zweite Fabrik in Aarberg umgeleitet werden. Aber nicht alle, denn die Kapazität der Aarberger Fabrik ist ja auch beschränkt. Und auch die Rübenbauern im Südosten Deutschlands waren und sind immer noch betroffen. Sie können ihre Rüben nicht wie gewohnt nach Frauenfeld bringen, sondern in eine Deutsche Fabrik, was mit längeren Transportwegen verbunden ist.
Vor etwa zwei Wochen las ich dann, dass in Frauenfeld eine Lösung gefunden wurde und dass dort wieder etwa die halbe Kapazität zur Verfügung stehe. Dafür gebe es jetzt aber in Aarberg ein Problem. Scheinbar wurden gleichzeitig zu viele Rüben mit schlechter Qualität verarbeitet, was zu Verstopfungen im System führte.
In der Politik werden die Schweizer Zuckerfabriken übrigens seit vielen Jahren infrage gestellt, insbesondere die damit verbundenen Subventionen der Rübenbauer. Ich bin aber der Meinung, dass sich das aus oekologischer Sicht rechtfertigt. Der Schweizer Zucker wird sehr nachhaltig produziert, die Wege von den Äckern zu den Fabriken sind kurz und auch die Abfallprodukte werden soweit wie möglich verwertet. Eine diesbezügliche Studie gibt Aufschluss über die Produktionsweise des Schweizer Zuckers.
N.B. Ich nehme an, dass der Zuckerrüben-Express, den ich in Winterthur sah, Rüben von Aarberg nach Frauenfeld verschoben hat, da es jetzt plötzlich in Aarberg zu viele Rüben hat.

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